IBUg 2011 - Idee und Konzept

»In Meerane gibt es, wie in vielen ostdeutschen Städten, in denen ehemals eine produzierende Industrie existiert hat, sehr viele brach liegende Industriebetriebe und Fabriken, an denen niemand mehr Interesse hat und welche so für einen langsamen Verfall bestimmt sind. Auf der ständigen Suche nach Flächen zur Nutzung für legales Graffiti stieß ich bei unseren Verantwortlichen – insbesondere Bürgermeister Prof. Ungerer – auf offene Ohren.

Nachdem ich die Genehmigung für die ehemaligen IFA-Hallen bekommen hatte, wurde mir erst bewusst, wie groß das Gelände war und wie viele interessante Flächen zu Bemalung zur Verfügung standen. Diese wollte ich nicht nur für mich alleine nutzen, sondern gezielt befreundete Sprayer einladen, die es verstehen würden, mit den noch vorhandenen Gegebenheiten, wie alten Installationen, Maschinenteilen, Kabelsträngen, Fenstern und der ungewöhnlichen Architektur, zu spielen und zu experimentieren. So wollte ich dem Ganzen den Rahmen einer Art Jam (Begriff für eine Veranstaltung im HipHop-Bereich) geben, zu der Aktive über einen längeren Zeitraum eingeladen werden und sich nach und nach im gesamten Gelände nach eigenen Vorstellungen verwirklichen können.

Ich wollte auf keinen Fall eine Graffiti-Jam im ursprünglichen Sinne, bei der sich Sprayer treffen, um an möglichst langen Wänden ihre Figuren und Schriftzüge farbenfroh aneinander zu reihen. Hier ging es darum, sich auf die Umgebung einzustellen und ihr mittels Spraydose und allem, was man dafür noch verwenden mochte, ein neues Gesicht zu verpassen. [...] Ich selbst war 2004 in El Burrero auf Gran Canaria, wo dieses kleine Dorf eine Vielzahl seiner Häuserfassaden zum Besprühen zur Verfügung stellte und das heute, obwohl es weder über einen Badestrand noch über irgendwelche Sehenswürdigkeiten verfügt, wegen seiner vielen bunten Murals zu einem touristischen Highlight geworden ist. Etwas Ähnliches möchte ich für unsere Region auch erreichen [...].« (Tasso, Initiator der IBUg, 2007, gekürzt)

Was?

Die IBUg ist ein urbanes Kulturprojekt im ländlichen Raum mit der Zielsetzung, Graffiti, Street-Art und Installationen (Urban Art) einem breitem Publikum näher zu bringen und als eigenständige Kunstformen zu etablieren. Die IBUg stellt für die beteiligten Künstler ein einzigartiges Forum der künstlerischen Arbeit und der Präsentation ihres Schaffens dar. Die Förderung von Kunst und Kultur – insbesondere der Urban Art – ist eines der wichtigsten Ziele der IBUg. Neue Stile sollen in der freien künstlerischen Arbeit entwickelt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Zudem soll dem Verfall preisgegebenen industriellen Anlagen neues Leben eingehaucht und so das Bewusstsein der Bevölkerung für Kunst, Kultur und Architektur geschärft werden. Die IBUg setzt in einer Region, die durch Arbeitslosigkeit, Überalterung und ein geringes kulturelles Angebot geprägt ist, beispielhafte Impulse.

Warum?

Kunst ist ein wichtiges Gut, das von der Förderung und Weiterentwicklung lebt. Es ist wichtig, neue Stile zu etablieren und Berührungsängste mit der Kunst abzubauen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit beweisen, welch große Begeisterung für die Kunstformen Graffiti und Street-Art seitens der Bevölkerung vorhanden ist und auf welches Interesse in allen Altersschichten das Schaffen der Künstler stößt.

Wann? Wo? Wie?

Die IBUg findet in der zweiten Augusthälfte im westsächsischen Meerane statt. Der Veranstaltungsort ist ein großes Fabrikhallenareal. Zwei Wochen lang verwandeln zahlreiche Künstler die Hallen mit Ausdrucksformen von Graffiti über Street-Art bis hin zu Installationen – und unter Einbeziehung der Architektur – zu einem Gesamtkunstwerk. Die umgestalteten Hallen werden im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Vernissage, die große IBUg-Aftershow-Party, die Möglichkeit mit Künstlern ins Gespräch zu kommen und Führungen runden die IBUg ab.